Pressemitteilung Nr. 65 vom 24.07.2026 Verleihung der Hightech-Preise Bayern: „ein Hauch von Stockholm in München“
Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
Prof. Daniela Rus aus Boston/USA nimmt Hightech-Preis des Bayerischen Ministerpräsidenten entgegen – Nachwuchspreis geht an Lukas Burgholzer von der TUM – wegweisende Forschung: von Soft-Roboter über Quantensoftware bis zur Paket-Logistik
MÜNCHEN. Ideen, die unser Leben jeden Tag ein Stück besser machen, standen im Mittelpunkt der Verleihung der Hightech-Preise Bayern am Donnerstagabend in der Münchner Residenz. Rund 700 Gäste aus Wissenschaft und Forschung, Politik und Gesellschaft, darunter Ministerpräsident Dr. Markus Söder, feierten Pioniere und Visionärinnen der Wissenschaft. Der unterhaltsame Abend, moderiert von Carolin Matzko, zeigte, wie lebensnah und für uns alle gewinnbringend wissenschaftliche Forschung sein kann.
Ob die richtige Greifposition für Pakete in der Logistik, antibakteriell beschichtete Implantate, Quanten-Software in der Entwurfs-Automatisierung oder Soft-Roboter, die sich zu medizinischen Zwecken im Körperinneren entfalten können: Mit ihren zukunftsweisenden Innovationen konnten Spitzenwissenschaftler ebenso überzeugen wie vielversprechende Talente. In drei Kategorien wurden sie von der Bayerischen Staatsregierung gemeinsam mit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW) mit den Hightech-Preisen Bayern ausgezeichnet. Wissenschaftsminister Markus Blume sprach als Gastgeber von einem „Hauch von Stockholm in München“: „Mit den Hightech-Preisen machen wir visionäre Forscherinnen und Forscher sichtbar. Es gibt selbst international keinen vergleichbaren Preis, der herausragende Leistungen in den Technik- und Ingenieurwissenschaften würdigt – selbst der Nobelpreis berücksichtigt diese Disziplinen nicht!“
Deutschlands höchstdotierter Technikpreis
Den Hightech-Preis des Bayerischen Ministerpräsidenten erhielt Prof. Daniela Rus, Professorin für Informatik und Elektrotechnik am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston/USA, für ihre bahnbrechenden Beiträge zur Robotik und Autonomen Systemtechnik. Der Preis ist die höchstdotierte Auszeichnung für Technik- und Ingenieur-wissenschaften in Deutschland und als gemeinsamer Preis von Bayerischer Staatsregierung und BAdW mit 300.000 Euro durch die Ulrich L. Rohde Stiftung dotiert.
Ministerpräsident Dr. Markus Söder betonte in seiner Würdigung der Wissenschaftlerin: „Wissenschaft und Forschung haben in Bayern Priorität. Professorin Daniela Rus vom MIT aus Massachusetts ist eine weltweite Koryphäe in Robotik und KI. Von Robotern in der Medizin auf dem OP-Tisch über die Autobahn bis zur Tiefsee: Ihre Entwicklungen helfen, das Leben auf der Erde länger und besser zu machen. Dieser Pioniergeist passt zum ‚Bavarian Way of Life‘. Hightech und Höchstleistungen gehören seit jeher zu unserer DNA – auch im Bereich der Robotik sind wir weltweit aktiv.“
Weiter sagte er: „Im internationalen Wettbewerb ist Innovation unsere große Chance für Wohlstand auch in der Zukunft. Deshalb setzen wir in Bayern auf die Freiheit der Forschung. Wir investieren massiv in die Hightech Agenda und fördern gleichzeitig den Ausbau unseres internationalen Netzwerks. Bayern hat die meisten Supercomputer, wir sind Heimat wichtiger Start-ups und mit der TU München und der LMU befinden sich die beiden besten Universitäten der EU im Freistaat. Bei uns ist die Zukunft daheim. Der Hightech-Preis würdigt das und ist mit 300.000 Euro der höchst dotierte Technikpreis Deutschlands. Herzlichen Glückwunsch allen Preisträgern – sie sind geniale Vorbilder, die den Unterschied ausmachen. Bitte machen Sie weiter so!“
Wissenschaftsminister Markus Blume gratulierte ebenfalls: „Herzlichen Glückwunsch an Daniela Rus. Ihre Soft-Roboter und Origami-Roboter sind visionär und erweitern den Einsatzbereich autonomer Systeme in empfindlichen Ökosystemen. Ein Roboter, der geschluckt werden kann und sich im Magen für einen medizinischen Eingriff entfaltet – das ist die Medizin von morgen! Ihre Forschung hilft, das Leben der Menschen besser und länger zu machen. Ich freue mich sehr, dass sie die Verbindung zwischen Boston und Bayern, zwischen MIT und TUM lebt – und auch gerne immer wieder nach Bayern kommt, wie sie auf der Bühne bekräftigt hat.“
„Mit diesem Preis betont die Akademie die zentrale Rolle der Wissenschaft im bayerischen wie internationalen Kontext und setzt gezielt Impulse zu Themen von wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Bedeutung“, erklärte Akademiepräsident Prof. Dr. Markus Schwaiger. „Es ist mir eine besondere Freude, dass wir in diesem Jahr Daniela Rus auszeichnen. Durch ihre wissenschaftliche Exzellenz, Innovationskraft und die hohe gesellschaftliche Relevanz ihrer Arbeiten verkörpert sie auf ideale Weise den Geist des Preises. Herzlichen Glückwunsch!“
„Oscar“-Moment in der Münchner Residenz
Wer den Nachwuchspreis für visionäre Forschung mit Innovationspotenzial – dotiert mit einem Preisgeld von 30.000 Euro – erhält, wurde erst am Abend der Preisverleihung durch Wissenschaftsminister Markus Blume bekannt gegeben. Das sorgte für einen echten „Oscar“-Moment im Herkulessaal: Lukas Burgholzer von der TU München und der Munich Quantum Software Company wurde für seine Forschung im Bereich der Quantenwissenschaften ausgezeichnet. Er überträgt etablierte Techniken der klassischen Entwurfs-Automatisierung (EDA – Electronic Design Automation) auf die Quantenwelt. Ziel seiner Arbeit ist es, skalierbare, effiziente und vertrauenswürdige Software zu schaffen, die den gesamten „Stack“, also Struktur aller Komponenten, abdeckt – vom Algorithmus bis zur physischen Maschine.
„And the winner is: Lukas Burgholzer von der TUM. Mit der Entwicklung von Open-Source-Software für Quantencomputer verfolgt er eine begeisternde Vision: Quanten-Computing so zugänglich machen, dass die Technologie im Hintergrund wirkt, aber ihr Potenzial bei allen ankommt und jeder profitiert. Damit passt er perfekt nach Bayern und zum Munich Quantum Valley: dem heißesten Quanten-Projekt der Republik“, gratulierte Wissenschaftsminister Markus Blume. „Für uns im Freistaat ist klar: Fortschritt braucht Förderung – und Menschen wie Lukas Burgholzer und die beiden Nominierten Anna Maria Oberländer und Saskia Schimmel. Sie alle wollen mit Ihrer Forschung den Unterschied machen!“
Nominiert waren auch Anna Maria Oberländer von der Universität Bayreuth sowie FIM-Forschungsinstitut für Informationsmanagement des Frauenhofer FIT) für ihre inter- und transdisziplinären Arbeiten für das Verständnis und die Gestaltung der digitalen Transformation etablierter Organisationen sowie Saskia Schimmel von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, die zu den wissenschaftlich profiliertesten Nachwuchsforschenden im Bereich der Nitrid-Halbleiter in Deutschland zählt.
Vielversprechende Talente auf der Bühne
Fünf junge Ingenieurinnen und Ingenieure von Hochschulen für angewandte Wissenschaften bzw. Technischen Hochschulen aus Coburg, Würzburg-Schweinfurt und Nürnberg sowie von den Universitäten in Würzburg und Erlangen-Nürnberg erhielten zudem den Absolventen-Preis des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst. Er wird an Absolventinnen und Absolventen der Ingenieurwissenschaften an bayerischen Hochschulen und Universitäten verliehen und zeichnet hervorragende Hochschulabschlüsse oder Promotionen aus. Dotiert ist er jeweils mit 2.000 Euro.
Detaillierte Informationen zu den Preisträgerinnen und Preisträgern:
Hightech-Absolventenpreis:
Der Hightech-Absolventenpreis wird an Absolventinnen und Absolventen der Ingenieurwissenschaften an bayerischen Hochschulen und Universitäten verliehen und zeichnet hervorragende Hochschulabschlüsse oder Promotionen aus. Dotiert ist er jeweils mit 2.000 Euro.
Jan Lützelberger, Hochschule Coburg
Wissenschaftsbereich: Medizintechnik / Physikingenieurwesen
„Akustische Mehrschichtsystemcharakterisierung zur quantitativen Zustandsbewertung von Hüftprothesen“
Über 200.000 Hüftprothesen werden in Deutschland jährlich implantiert – und erfordern regelmäßige Kontrolle, die heute meist über Röntgen-Bildgebung erfolgt. In der Masterarbeit wurde erstmals eine Ultraschall-basierte Methodik zur quantitativen Bewertung des Integrationszustands von Hüftprothesen entwickelt. Durch ein physikalisches Modell der Schallausbreitung in mehrschichtigen Knochen-Implantat-Systemen und adaptive Datenverarbeitung lassen sich klinisch entscheidende Parameter präzise bestimmen und mögliche Lockerungen frühzeitig erkennen und quantifizieren. Die entwickelte Technologie kann die Nachsorge von Hüftimplantaten grundlegend verbessern: Komplikationen wie Lockerungen könnten statt über Röntgen nun mit Ultraschall früher, strahlungsfrei und kostengünstiger erkannt werden. Das erhöht die Lebensqualität der Patienten und reduziert die Kosten im Gesundheitssystem.
Shubham Sanjeev Joshi, TH Würzburg Schweinfurt
Wissenschaftsbereich: Computer Vision in der Robotik
„Verwendung geometrischer Einschränkungen bei der 6D-Schätzung der Griffposition von rechteckigen Quaderobjekten aus RGB-D-Daten“
Dieses Framework optimiert die Bestimmung von Greifpositionen für rechteckige Pakete in der Logistik. Da herkömmliche Bilderkennungsmodelle oft ungenaue Konturen liefern, kombiniert dieses System Kamerabilder mit Tiefendaten durch eine globale Zielfunktion. Unter Nutzung geometrischer Regeln, wie dem rechten Winkel aufeinandertreffender Kanten, korrigiert es Segmentierungsfehler. Die Schätzung bleibt auch bei Verdeckungen stabil und steigert die Präzision beim automatisierten Greifen. Diese Arbeit treibt die Automatisierung der Logistik voran und entlastet Menschen von schwerer Arbeit. Zukünftig ermöglicht die Integration solcher geometrischen Regeln in neuronale Netze eine robustere Objekterkennung durch kleinere Modelle.
Maria Nutz, TH Nürnberg
Wissenschaftsbereich: Elektrotechnik
„Konzeptionierung, Simulation und Inbetriebnahme relevanter Typ- und Stückprüfungen für einen HGÜ-Leistungsschalter“
Leistungsschalter für die Hochspannunsgleichstromübertragung (HGÜ) müssen korrekt funktionieren, um bei Überlastungen eine zuverlässige Trennung der Netzabschnitte zu ermöglichen. Dadurch werden großflächige Stromausfälle verhindert. Mit dieser Arbeit wurden normgerechte Prüfungen konzipiert, mit deren Hilfe die fehlerfreie Funktionalität eines solchen Schalters sichergestellt werden kann. Die Umsetzbarkeit der daraus resultierenden Prüfschaltung wurde mit Simulationen verifiziert und in einem Hochleistungslabor aufgebaut. In zukünftigen Netzen mit hoher Einspeisung durch Erneuerbare Energien werden HGÜ-Leistungsschalter zum Einsatz kommen. Normgerechte Prüfungen müssen dessen Funktionalität sicherstellen und tragen direkt zu einer resilienteren Netzinfrastruktur bei.
Sarah Lutz, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Wissenschaftsbereich: Chemie
„Einbau von BNB- und NBN-dotierten Phenalenylen in Nukleoside“
An der Schnittstelle von anorganischer und biologischer Chemie ermöglicht die Bor-Stickstoff-Dotierung (BN-Dotierung) den Zugang zu neuartigen Fluorophoren mit vorteilhaften optoelektronischen Eigenschaften für die Anwendung in der Nukleinsäureforschung. In dieser Arbeit wurden BNB- und NBN-dotierte Phenalenyle funktionalisiert, an Nukleoside gekoppelt und ihr Zusammenspiel in der DNA untersucht. Dort konnten sie als abstandssensitives Fluorophor-Quencher-Paar zur Detektion von Veränderungen in ihrer Umgebung eingesetzt werden. Fluoreszente Marker sind essenziell für die Erforschung biologischer Prozesse und Strukturen. Die BN-Dotierung ist ein mächtiges Werkzeug zur Entwicklung neuartiger Fluorophore für den Einsatz als Biosensoren und in DNA-Hybridmaterialien.
Zoya Hadzhieva, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-NürnbergWissenschaftsbereich: Werkstoffwissenschaften
„Elektrophoretische Abscheidung (EPD) bioaktiver und antibakterieller zein-basierter Beschichtungen auf Titan für biomedizinische Anwendungen“
Die elektrophoretische Abscheidung ermöglicht die Herstellung funktionaler Beschichtungen auf leitfähigen Substraten bei Raumtemperatur. Diese Dissertation trägt zur Entwicklung nachhaltiger Biomaterialien bei, indem natürliche Komponenten wie Phytotherapeutika und Biopolymere, sowie bioaktive Gläser mittels EPD zu funktionalen Beschichtungen verarbeitet werden. Durch die gezielte Auswahl von Polymermatrix, Wirkstoffen, Glaszusammensetzung und Beschichtungsdesign entsteht eine vielseitige Plattform für innovative biomedizinische Beschichtungssysteme. Metallische Implantate spielen in der Orthopädie eine entscheidende Rolle, jedoch stellen Infektionen und eine unzureichende Osseointegration weiterhin große Herausforderungen dar. Neue antibakterielle und bioaktive Beschichtungen sollen die Implantatintegration fördern.
Hightech-Nachwuchspreis:
Der Nachwuchspreis würdigt visionäre Forschung mit Innovationspotenzial. Kriterien für die Auswahl sind die Qualität der Forschungsleistung, das Innovationspotenzial, die Perspektiven auf eine Umsetzung der Forschungsergebnisse in die Anwendung sowie die Relevanz und Zukunftsorientierung der Ergebnisse. Bewerben konnten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierephasen, die an einer bayerischen Hochschule, an einer Forschungseinrichtung oder in einem Start-up mit Sitz in Bayern tätig sind und die zu Schlüsseltechnologien forschen, die über die Innovationsoffensive Hightech Agenda Bayern gefördert werden. Dazu gehören unter anderem die Bereiche KI und Quantencomputing, CleanTech, Luft- und Raumfahrt, Life Sciences und Nachhaltige Infrastruktur.
Preisträger: Dr. Lukas Burgholzer, Technische Universität München
Quantencomputer gelten als eine der disruptivsten Technologien des 21. Jahrhunderts. Während technologische Giganten und Start-ups weltweit erstaunliche Fortschritte auf der Hardware-Ebene erzielen, droht bei der Software-Entwicklung eine kritische Lücke zu entstehen. Ohne leistungsfähige Entwurfswerkzeuge, Compiler und Verifikationsmethoden laufen wir jedoch Gefahr, leistungsfähige Quantenprozessoren nicht effizient oder korrekt nutzen zu können. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Forschung von Dr. Lukas Burgholzer an. Er überträgt etablierte Techniken der klassischen Entwurfs-Automatisierung (EDA – Electronic Design Automation) auf die Quantenwelt. Ziel ist es, skalierbare, effiziente und vertrauenswürdige Software zu schaffen, die den gesamten „Stack“ (= Struktur aller Komponenten) abdeckt – vom Algorithmus bis zur physischen Maschine. Im Zentrum seiner Forschungsleistung stehen neuartige Datenstrukturen und Algorithmen, die fundamentale Probleme in der klassischen Simulation, Kompilierung und Verifikation von Quantenschaltungen lösen. Darüber hinaus verfolgt Lukas Burgholzer die konsequente Umsetzung aller theoretischen Erkenntnisse in professionelle Open-Source-Software. Das von ihm maßgeblich entwickelte und architektonisch verantwortete Munich Quantum Toolkit (MQT) ist heute eine weltweit etablierte Referenz.
Nominiert: Anna Maria Oberländer, Universität Bayreuth sowie FIM Forschungsinstitut für Informationsmanagement des Frauenhofer FIT:
Als Juniorprofessorin für Wirtschaftsinformatik und Digitale Transformation an der Universität Bayreuth und in leitender Funktion am Institutsteil Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT (FIT-WI) verfolgt Frau Prof. Dr. Oberländer bereits in einem sehr frühen Karrierestadium sehr ambitionierte und erfolgreiche Forschungsvorhaben. Ihre inter- und transdisziplinären Arbeiten zielen auf das Verständnis und die Gestaltung der digitalen Transformation etablierter Organisationen. Ihren Fokus legt Frau Dr. Oberländer dabei auf menschzentrierte und nachhaltigkeitsorientierte Veränderungsprozesse. Dabei schlägt sie bedeutende Brücken zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und gesellschaftlicher Verantwortung. Ihre Beiträge umfassen unter anderem Erkenntnisse und Empfehlungen zu digitalen Transformationsprozessen und einhergehenden Spannungen, Theorien rund um den Einfluss digitaler Ökosysteme, die Entwicklung Anwendung digitaler Innovationsmethoden sowie Analyse- und Bewertungsstrukturen zum Einfluss emergenter und digitaler Technologien wie beispielsweise Künstliche Intelligenz.
Nominiert: Saskia Schimmel, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU):
Dr.-Ing. Schimmel zählt zu den wissenschaftlich profiliertesten Nachwuchsforschenden im Bereich der Nitrid-Halbleiter in Deutschland. Seit 2023 baut sie am Lehrstuhl für Elektronische Bauelemente mit großem Engagement und Erfolg eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Nachwuchsgruppe auf. Frau Dr. Schimmels Arbeiten verbinden eine international sichtbare Grundlagenforschung mit einer außergewöhnlich klaren Perspektive auf technologische Umsetzung und industrielle Anwendung. Da siliziumbasierte Technologien zunehmend an physikalische Grenzen stoßen, rücken Halbleiter großer Bandlücke und neue Materialien in den Fokus. Dr. Schimmel verfolgt eine klar definierte Forschungsstrategie mit dem Ziel, neue Nitrid-Halbleitermaterialien für zukünftige elektronische, akustische und photonische Bauelemente systematisch zu erschließen. Ein zentrales Alleinstellungsmerkmal der Arbeiten von Dr. Schimmel sind weltweit einzigartige In-situ-Methoden zur Untersuchung ammonothermaler Prozesse unter realen Hochdruck- und Hochtemperaturbedingungen.
Hightech-Preis des Bayerischen Ministerpräsidenten:
Der Hightech-Preis des Bayerischen Ministerpräsidenten ehrt herausragende Innovationen in den Technikwissenschaften. Die gemeinsame Auszeichnung der Bayerischen Staatsregierung und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften wird an Forscherinnen und
Forscher aus dem In- und Ausland verliehen, deren Arbeit die Welt nachhaltig prägt. In jedem zweiten Jahr weisen die Preisträgerinnen und Preisträger zudem einen besonderen Bezug zum Freistaat Bayern auf. Die Auswahl trifft eine Findungskommission der Akademie, besetzt mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland sowie Persönlichkeiten aus der Industrie. Dotiert mit 300.000 Euro durch die Ulrich L. Rohde Stiftung, unterstreicht der Preis die Bedeutung von Wissenschaft als Motor für Fortschritt und Wohlstand.
Prof. Daniela Rus, Direktorin des MIT Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory (CSAIL) und Panasonic Professor of Computer Science am Massachusetts Institute of Technology (MIT)
Prof. Daniela Rus ist eine weltweit führende Expertin auf dem Gebiet der Robotik und Autonomen Systemtechnik. Als Direktorin des MIT Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory (CSAIL) und Panasonic Professor of Computer Science am Massachusetts Institute of Technology (MIT) gestaltet sie die nächste Generation intelligenter, vernetzter Roboter. In der Begründung des Auswahlgremiums der Bayerischen Akademie der Wissenschaften heißt es: „Ziel ihrer Forschungen ist es, flexible und sichere Technik zu entwickeln, die sich nahtlos in den Alltag der Menschen integriert. Ihre wegweisenden Arbeiten konzentrieren sich auf vier Bereiche: selbstorganisierende Roboterkollektive, Soft Roboter, autonome Mobilität sowie vom menschlichen Gehirn inspirierte Künstliche Intelligenz. Sie ist eine Pionierin auf dem Gebiet selbstorganisierter Roboterkollektive und entwickelte mit ihrem Team einige der ersten modularen Roboter, die sich für die jeweilige Aufgabe ohne menschliches Eingreifen zusammenbauen, zerlegen und in verschiedene Formen verwandeln können. Zudem gilt Daniela Rus als Begründerin der modernen Soft-Robotik. Nachgiebige, verformbare Roboter und Origami-Roboter definieren unsere Vorstellungen von Roboterkörpern völlig neu und erweitern den Einsatzbereich autonomer Systeme ganz erheblich, etwa in empfindlichen Ökosystemen oder im menschlichen Körper: Für das Gesundheitswesen entwarf sie minimalinvasive Roboter, darunter ein Origami-Roboter, der geschluckt werden kann und sich im Magen für einen medizinischen Eingriff entfaltet. Auf dem Gebiet der autonomen Mobilität entwickelt Daniela Rus Planungs- und Entscheidungsverfahren für selbstfahrende Fahrzeuge sowie On-Demand Mobilitätssysteme. Ihr Team integriert Methoden der Sozialpsychologie in die Entscheidungsfindung autonomer Fahrzeuge, wodurch diese in die Lage versetzt werden, das Sozialverhalten von Verkehrsteilnehmern zu analysieren und vorherzusehen – eine Schlüsselkompetenz für eine sichere Interaktion zwischen Menschen und
Maschinen. Schließlich konzentriert sich ein neuerer Forschungsschwerpunkt von Daniela Rus auf vom menschlichen Gehirn inspirierte KI-Architekturen, die speziell auf autonome Systeme in der Praxis zugeschnitten sind. Ihre liquiden neuronalen Netze sind von der Dynamik biologischer Neuronen inspiriert und ermöglichen es z. B., Drohnen in unbekannten Umgebungen zu navigieren und sich auf neue Wetter- und Lichtverhältnisse einzustellen. Die gesellschaftliche Relevanz ihrer Arbeit – ein wesentliches Kriterium für die Auswahl – zeigt sich in zahlreichen Anwendungen in Bereichen wie Mobilität, Gesundheitswesen, Pflege, Landwirtschaft, Logistik oder Umwelt- und Katastrophenschutz: Unterwasser Roboter schützen empfindliche Ökosysteme, schluckbare Roboter eröffnen neue Wege in der Medizin, autonome Boote und Fahrzeuge verbessern urbane Mobilität, KI Kopiloten erhöhen die Flugsicherheit. Über Industriepartnerschaften und das von ihr mitgegründete Unternehmen Liquid AI treibt sie den Technologietransfer voran. „In all ihren Forschungsarbeiten ist Daniela Rus eine Vordenkerin von verantwortungsbewusster KI und Autonomie. Gleichzeitig weist sie eine beeindruckende Bilanz in den Bereichen Innovation und Technologietransfer vor“, so das Auswahlgremium.
Weitere Informationen und Fotos zum Download finden Sie unter:
Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Markus Blume im Bild
Pressematerial zum Download
Home - Hightech-Preise Bayern
Kathrin Gallitz, Pressesprecherin im Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, 089 2186 2057
Dr. Isabel Leicht, Pressereferentin, Bayerische Akademie der Wissenschaften,
089 23031 1336