PRO MERITIS SCIENTIAE ET LITTERARUM 2022 Auszeichnung an herausragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens für Verdienste um Wissenschaft und Kunst

Die Auszeichnung PRO MERITIS SCIENTIAE ET LITTERARUM  wird an Persönlichkeiten aus den Bereichen Wissenschaft und Kunst verliehen (Foto: Andreas Gebert)
Die Auszeichnung PRO MERITIS SCIENTIAE ET LITTERARUM wird an Persönlichkeiten aus den Bereichen Wissenschaft und Kunst verliehen (Foto: Andreas Gebert)

Auch 2022 wird die Auszeichnung PRO MERITIS SCIENTIAE ET LITTERARUM des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst an herausragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens verliehen.

Bronze-Relief PRO MERITIS SCIENTIAE ET LITTERARUM (Foto: Andreas Gebert)
Bronze-Relief PRO MERITIS SCIENTIAE ET LITTERARUM (Foto: Andreas Gebert)

Das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst verleiht seit dem Jahr 2000 die Auszeichnung PRO MERITIS SCIENTIAE ET LITTERARUM an herausragende Persönlichkeiten für deren Verdienste um Wissenschaft und Kunst, seit 2008 in Form eines Bronze-Reliefs. Ziel dieser Ehrung ist neben der Würdigung dieser Persönlichkeiten, Kultur als Einheit zu begreifen: Wissenschaft und Kunst sollen als zwei Seiten derselben Medaille wahrgenommen werden. Pro Jahr werden grundsätzlich nur bis zu acht Auszeichnungen vergeben.

Die Ehrungen im Detail

21. Januar 2022: Prof. Eugen Gomringer

Foto: Der Schriftsteller Prof. Eugen Gomringer (© Jacobia Dahm)

Der als Begründer der Konkreten Poesie geltende Schriftsteller Professor Eugen Gomringer wurde Ende Januar 2022 geehrt. „Sie haben mit der Konkreten Poesie Literaturgeschichte geschrieben. Bei Ihnen wird die Sprache zum künstlerischen Baustoff. Durch die besondere Anordnung der Buchstaben und Wörter entsteht eine eigene künstlerische Realität. Ihre ‚Konstellationen‘ sind aus dem Kanon der modernen Lyrik nicht mehr wegzudenken“, betonte Wissenschafts- und Kunstminister Bernd Sibler in seiner Würdigung der beeindruckenden Lebensleistung Gomringers. „Seit über 70 Jahren setzen Sie sich für die Ästhetik und Vermittlung der Konkreten Lyrik wie der Konstruktiven Kunst ein.“

Mit der Auszeichnung würdigt der Freistaat Eugen Gomringers große Verdienste mit besonderer Betonung des Brückenschlags zwischen Kunst und Wissenschaft, der dem Schriftsteller und Künstler, Herausgeber, Kunstsammler, Werbetexter, Institutsgründer und Hochschullehrer im Laufe seines Lebens in besonderer Weise gelungen ist.

In seiner Laudatio für den am 20. Januar 2022 97 Jahre alt gewordenen Sprachkünstler, die Eugen Gomringer in seinem oberfränkischen Wohnort Rehau vom 1. Bürgermeister Michael Abraham vorgetragen wurde, betonte Sibler: „So vielschichtig und umfangreich wie Ihr Werk ist auch Ihr Leben. Durch Ihr fortwährendes und nicht nachlassendes Engagement bereichern Sie die bayerische Kunstszene.“

Eugen Gomringer, der als Sohn  eines Schweizers und einer Bolivianerin in Bolivien geboren wurde und bei seinen Großeltern in der Schweiz aufwuchs, war Sekretär des Malers Max Bill an der Hochschule für Gestaltung Ulm, begründete die Zeitschrift „Spirale“ und die „gomringer press“, gab die Buchreihe „konkrete poesie – poesia concreta“ heraus, war Leiter des Schweizer Werkbundes, Kulturbeauftragter der Firma Rosenthal in Selb, Werbetexter der Schweizer Warenhauskette ABM und 13 Jahre lang Professor für Theorie der Ästhetik an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Er verfasste zahlreiche theoretische Arbeiten zur Konkreten Kunst und führte unzählige Korrespondenzen.

Im Hinblick auf Gomringers Konkrete Lyrik, insbesondere seine „Konstellationen“ genannten Kombinationen mit einem übersichtlichen Wort- oder Lautmaterial, hieß es in Siblers Laudatio: „Die Konstellationen, die Sie geschaffen haben, haben sich in das kollektive ästhetische Bewusstsein eingeschrieben. Da entsteht eine besondere sinnliche Anmutung in genialer Mischung aus Freiheit und formaler Strenge. Wer sie anschauen und hören durfte, wird sie nicht vergessen.“

Neue Aufmerksamkeit erhielt Eugen Gomringers Werk in den vergangenen Jahren unter anderem mit Ausstellungen wie „Gomringer & Gomringer“ über ihn und das Werk seiner Tochter und Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Nora Eugenie Gomringer 2016 in Zürich oder „Konkrete Poesie / poesia concreta – Eugen Gomringer, Augusto de Campos und Freunde“ 2019/2020 in Rüsselsheim. 2010 hatte der Träger des Bayerischen Verdienstordens (2008) sowie des Rainer-Maria-Rilke-Preises (2009) gemeinsam mit seiner Tochter Nora Gomringer eine Poetik-Dozentur an der Universität Koblenz-Landau inne.

Außerdem baute er in Rehau mit seiner im Dezember 2020 verstorbenen Frau Dr. phil. Nortrud Gomringer ein Archiv und umfängliche Sammlungen auf, sodass dort das „institut für konstruktive kunst und konkrete poesie“ (ikkp) entstehen konnte. Durch den unermüdlichen Einsatz des Dichters, seiner bis zu ihrem Tod in alle Abläufe eingebundenen und vor allem als Publizistin tätigen Gattin Dr. Nortrud Gomringer und seines Sohnes Stefan Gomringer hat sich das ikkp in Rehau als Veranstaltungsort fest etabliert und zum international renommierten Zentrum der Konkret-Konstruktiven Kunst entwickelt. Eugen Gomringers private Sammlung, die zahlreiche Werke der Konstruktiv-Konkreten umfasst, ein mit Schenkungen an die Stadt Rehau beständig erweiterter Skulpturengarten und somit die Begegnung mit dem Lebenswerk Eugen Gomringers machen das Kunsthaus Rehau zu einem Anziehungsort besonderer Qualität.

Zudem bildete die von Eugen Gomringer zusammengetragene umfangreiche Sammlung konkreter Kunst den Grundstock des Ingolstädter Museums für Konkrete Kunst und führte zu dessen Gründung. „Damit haben Sie Einrichtungen von künstlerischer und kunstvermittelnder Strahlkraft in hier Bayern möglich gemacht“, stellte Siblers in seiner Würdigung heraus. „Ihre Werke werden bleiben. Und sie werden Avantgarde bleiben.“

22. März 2022: Prof. Dr. Claudia Eckstaller und Prof. Dr. Ingrid Huber-Jahn

Foto: Wissenschaftsminister Markus Blume (Mi.) mit Max Eckstaller (l.), der die Auszeichnung „Pro Meritis Scientiae et Litterarum“ posthum für seine Frau Prof. Dr. Claudia Eckstaller entgegen nahm, und Prof. Dr. Ingrid Huber-Jahn (© Johanna Weber)

Die beiden Betriebswirtschafts-Professorinnen der Hochschule München Prof. Dr. Claudia Eckstaller und Prof. Dr. Ingrid Huber-Jahn wurden Ende März 2022 geehrt. Für die Mitte Februar 2022 verstorbene Claudia Eckstaller nahm posthum ihr Ehemann Max Eckstaller die Auszeichnung entgegen.

„Menschen wie Frau Prof. Dr. Claudia Eckstaller und Frau Prof. Dr. Ingrid Huber-Jahn machen Bayern zu einem Chancen- und Zukunftsland: Als kongeniale Partnerinnen an der Hochschule München sind beide zu Botschafterinnen für unsere agilen und modernen Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Technischen Hochschulen geworden. Mit herausragendem Engagement haben sie sich besonders für die Verbindung von Beruf und Studium eingesetzt. Prof. Eckstaller und Prof. Huber-Jahn haben sich große Verdienste um den Wissenstransfer aus den Hochschulen in Wirtschaft und Gesellschaft erworben. Sie sind Impulsgeberinnen für unser Fortschrittsland Bayern“, betonte Wissenschafts- und Kunstminister Markus Blume.

Die akademische Bildung und Weiterbildung war für die beiden Professorinnen der Betriebswirtschaftslehre stets eine Herzensangelegenheit. Gemeinsam entwickelten sie erfolgreiche berufsbegleitende Studiengänge, im Einzelnen den Bachelorstudiengang „BWL und Unternehmensführung“, den Weiterbildungs-Masterstudiengang „Betriebliche Steuerlehre“ und den MBA „Management and Business Strategy“. Maßgeblich trugen Prof. Dr. Claudia Eckstaller und Prof. Dr. Ingrid Huber-Jahn dazu bei, dass das Zentrum für Weiterbildung der Hochschule München heute ein Aushängeschild der Metropolregion ist.

Als Frauenbeauftragte an der Hochschule München machten sich die beiden Ausgezeichneten um die Frauenförderung verdient: Beide Professorinnen waren an Aufbau und Leitung eines hochschulweiten Frauenbüros beteiligt.

Frau Prof. Dr. Claudia Eckstaller war neben ihrer Lehrtätigkeit zudem Mitinitiatorin des Münchner Unternehmenstags (MUT). Studierende können hier, inzwischen auch auf der virtuellen Plattform MUT2go, wertvolle Kontakte für praktische Studiensemester und den Einstieg ins Berufsleben knüpfen. So baute sie eine Brücke für die junge Generation in den Arbeitsmarkt. Außerdem hat sich Frau Prof. Eckstaller erfolgreich für das Thema kooperative Promotion engagiert.

Foto: Prof. Dr. Claudia Eckstaller (© privat)

Frau Prof. Dr. Ingrid Huber-Jahn, deren fachliche Schwerpunkte Betriebliche Steuerlehre und Unternehmensprüfung sind, rief den Münchner Steuertag mit ins Leben. Als Paradebeispiel für den Transfer Wissenschaft – Wirtschaft – Verwaltung bringt diese Austauschplattform Vertreter aus den Bereichen Wirtschaft, Steuerberatung, Rechtsprechung und Verwaltung zusammen. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit engagierte sich Huber-Jahn von 2008 bis 2014 als Gemeinderätin der Gemeinde Schondorf am Ammersee.

Foto: Prof. Dr. Ingrid Huber-Jahn spricht bei der Verleihung der Auszeichnung „Pro Meritis Scientiae et Litterarum“ (© Johanna Weber)

28. April 2022: Prof. Dr. Dr. h.c. Karl-Walter Jauch und Prof. Dr. Markus Schwaiger

Fotos: Wissenschaftsminister Markus Blume (Mi.) mit Prof. Dr. Dr. h.c. Karl-Walter Jauch (links) und Prof. Dr. Markus Schwaiger (rechts) (© StMWK Alexandra Beier)

Mit Prof. Dr. Dr. h.c. Karl-Walter Jauch und Prof. Dr. Markus Schwaiger wurden zwei prägende Gestalter der bayerischen Universitätsmedizin Ende April geehrt.

Der Spitzen-Chirurg Prof. Jauch war neben weiteren Leitungsfunktionen Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Regensburg (2000 – 2002) sowie von 2013 bis 2020 des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München. Der Nuklearmediziner Prof. Schwaiger war von 2016 bis Ende Juni 2021 Ärztlicher Direktor am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, dessen Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin er von 1993 bis 2017 als Direktor vorstand.

Wissenschafts- und Kunstminister Markus Blume: „Die lebensnotwendige Bedeutung einer medizinischen Versorgung auf dem neuesten Stand der Forschung wurde uns durch die Pandemie noch einmal wie unter einem Brennglas vor Augen geführt. Und der Motor des medizinischen Fortschritts ist unsere Hochschulmedizin. Als Ärztliche Direktoren an Leuchttürmen der bayerischen Universitätsmedizin haben Sie beide mit großartigem Einsatz in der medizinischen Forschung, Lehre und Versorgung erheblich dazu beigetragen, dass dieser Motor im Freistaat auf Hochtouren läuft. Dafür sind wir Ihnen sehr dankbar: Wir brauchen Mediziner wie Sie beide!“

Prof. Dr. Dr. h.c. Karl-Walter Jauch war von 2013 bis 2020 der erste Mediziner, der die Aufgabe des Ärztlichen Direktors am LMU Klinikum hauptamtlich wahrnahm. Nach seiner Zeit als Direktor der Klinik und Poliklinik für Chirurgie (1996 – 2002) sowie als Ärztlicher Direktor am Universitätsklinikum Regensburg (2000 – 2002) hatte Prof. Jauch am LMU Klinikum die Chirurgische Klinik und Poliklinik geleitet. Auch dank seiner Verdienste entwickelte diese sich zu einer der größten Transplantationskliniken Europas.

Mit dem Ziel, die nationale und internationale Spitzenposition des LMU Klinikums langfristig zu sichern und weiter auszubauen, wurden in Prof. Jauchs Zeit als Ärztlicher Direktor viele wichtige Vorhaben umgesetzt und auf den Weg gebracht. Hervorzuheben sind neben der Sanierung des Mutterhauses der Neubau am Standort Großhadern und ganz besonders das „Neue Hauner“, die neue Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des LMU-Klinikums.

Prof. Jauch, dessen Schwerpunkte u.a. Tumorchirurgie, Metastasierungen, Transplantationsmedizin waren, zählt mit außerordentlichen Leistungen in der Forschung und der chirurgisch-klinischen Tätigkeit national wie international zu den bedeutendsten Chirurgen unserer Zeit. Er gehört der Nationalen Akademie der Wissenschaften „Leopoldina“ an und bekam 2015 das Bundesverdienstkreuz am Bande sowie 2021 den Bayerischen Verdienstorden verliehen.

In früheren Arbeiten entdeckte Prof. Jauch die blutzuckersenkende Wirkung von ACE-Hemmern und leistete der Wissenschaft auch mit der Gründung einer Gewebebank einen besonders wertvollen Dienst. Mit diesem Erfolgskonzept kann bei Operationen entnommenes Gewebe der Forschung zur Verfügung gestellt werden. Dabei beschäftigte sich Prof. Jauch auch mit ethischen und rechtlichen Fragen von Körpermaterial in der Forschung.

Dank Prof. Jauchs Engagement als Vorsitzender der Bayerischen Impfkommission konnte im Rahmen der Impfpriorisierung im Frühjahr 2021 ein schneller Corona-Impfschutz für vorerkrankte und besonders gefährdete Menschen erreicht werden.

Prof. Dr. Markus Schwaiger prägte die bayerische Universitätsmedizin über beinahe drei Jahrzehnte entscheidend mit. Bevor er als Ärztlicher Direktor großen Einfluss auf die Entwicklung der Universitätsmedizin des Klinikums rechts der Isar der TUM nahm, war Prof. Schwaiger dort fast 25 Jahre lang Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin (1993 – 2017) sowie Studien- und Prodekan und langjähriger Dekan der Fakultät für Medizin der TUM.

Mit fachlicher Kompetenz und gutem Gespür für strategische Weiterentwicklung stieß Prof. Schwaiger wesentliche Beiträge an: So ist der „Digital Health Summit“ seiner Initiative zu verdanken, bei dem Expertinnen und Experten aus Forschung, Medizin und Wirtschaft sich zur Digitalisierung in der Medizin austauschen, einem Themenkomplex von herausragender gesellschaftlicher Bedeutung.

Als Gründungsdirektor des Zentralinstituts für Translationale Krebsforschung (TranslaTUM) leistete Prof. Schwaiger einen erheblichen Beitrag zu einem Meilenstein nicht nur für das Klinikum rechts der Isar, sondern für die bundesweite Krebsforschung. Auch das erste bayerische Zentrum für Positronen-Emissions-Tomographie (PET) baute er mit auf und entwickelte wegweisende Methoden zur bildlichen Darstellung der Tumorbiologie mit. 2008 wurde Prof. Schwaiger das Bundesverdienstkreuz am Bande und 2010 der Bayerische Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst verliehen.

Stets zeichnete Prof. Schwaiger auch sein Blick über den Tellerrand aus. Als echter Teamplayer setzte er sich für eine stärkere Zusammenarbeit der beiden Münchener Universitätsklinika ein und betrieb richtungweisende internationale Forschung an der University of California in Los Angeles (UCLA) und der University of Michigan.

10. Mai 2022: Dr. Rachel Salamander

Foto: Wissenschafts- und Kunstminister Markus Blume (l.) ehrt Dr. Rachel Salamander mit der Auszeichnung PRO MERITIS SCIENTIAE ET LITTERARUM (© StMWK Alexandra Beier)

Der Literaturwissenschaftlerin, Buchhändlerin und Publizistin Dr. Rachel Salamander wurde die Auszeichnung Anfang Mai 2022 überreicht.

Wissenschafts- und Kunstminister Markus Blume: „Dr. Rachel Salamander ist eine vorbildliche und einflussreiche Mittlerin im Umgang der deutschen Gesellschaft mit dem Thema Judentum, der teilweise leider noch heute von Scheu und Unsicherheit geprägt ist: Als Autorin, Buchhändlerin, Publizistin, Wissenschaftlerin, Verlagsberaterin, Bibliographin und Veranstaltungsorganisatorin hat sie ihr Leben lang um Völkerverständigung und gegen den Antisemitismus gekämpft – stets mit unbändiger Liebe zur Literatur, die ihr Lebensthema ist. Damit ist sie eine Instanz im literarischen sowie im jüdisch-geistigen Leben geworden.“

Der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe Dr. Ludwig Spaenle: „Dr. Rachel Salamander ist eine der großen jüdischen Stimmen Deutschlands. Sie ist eine brillante Intellektuelle, die sich durch ein herausragendes gesellschaftspolitisches Engagement auszeichnet. Für jemanden wie Dr. Salamander wurde die Auszeichnung Pro Meritis geradezu geschaffen!“

Dr. Rachel Salamander wurde in einem Durchgangslager für Überlebende des Holocaust geboren und verbrachte ihre frühe Kindheit in einem Lager für „Displaced Persons“ in Föhrenwald. Nach der Auflösung des Lagers und der Umsiedelung nach München musste Salamander, deren Muttersprache Jiddisch war, erst die deutsche Sprache lernen, um sich in der deutschen Gesellschaft zurecht zu finden.

Das Lesen eröffnete Salamander einen neuen Blick auf sich selbst und ihre Welt. Die Literatur wurde für sie Anker und Wegweiser – das Mittel, um die Welt zu begreifen. Einen öffentlich sichtbaren Wegweiser stellte Salamander 1982 mit der Eröffnung ihrer „Literaturhandlung“ auf: Mit dieser Fachbuchhandlung für jüdische Literatur und Publikationen zum Judentum holte sie jüdische Autorinnen und Autoren zurück in das literarische Bewusstsein und Leben der deutschen Gesellschaft.

Darüber hinaus wurde die „Literaturhandlung“, die heute Filialen in ganz Deutschland hat, dank eines umfangreichen Veranstaltungsprogramms ein Zentrum deutsch-jüdischer Begegnung und des Austauschs, in dem Vorurteile und Fremdheitsgefühle abgebaut wurden. Die „Literaturhandlung“ wurde eine Institution, die die jüdische Kultur nicht nur in der deutschen Vergangenheit verankert, sondern einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung einer gemeinsamen Gegenwart und Zukunft leistet.

Auch dank einer Reihe weiterer Tätigkeiten hat Rachel Salamander eine neue Seite im deutsch-jüdischen Dialog aufgeschlagen. Von 2001 bis 2013 war sie Herausgeberin der Wochenbeilage „Literarische Welt“ der Tageszeitung „Die Welt“, leitete von 2013 bis 2014 das Literaturforum der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und ist seit 2015 Aufsichtsratsmitglied des Suhrkamp Verlags. Außerdem engagiert sich Salamander als Mit-Organisatorin jüdischer Kulturkongresse und ist 1. Vorsitzende des Vereins „Synagoge Reichenbachstraße e.V.“, der die Sanierung der Münchner Synagoge in ihren ursprünglichen Zustand von 1931 zum Ziel hat.

Für ihre Verdienste wurden ihr 2004 der Bayerische Verdienstorden, 2009 das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland und der Schillerpreis der Stadt Marbach (2013) verliehen. 2016 erhielt sie die Medaille für besondere Verdienste um Bayern in einem Vereinten Europa und 2020 den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf.

13. Mai 2022: Prof. Dr. Hannah Schmid-Petri

Foto: Wissenschafts- und Kunstminister Markus Blume (l.) ehrt Prof. Dr. Hannah Schmid-Petri mit der Auszeichnung PRO MERITIS SCIENTIAE ET LITTERARUM (@ Universität Passau)

Der Professorin für Wissenschaftskommunikation Dr. Hannah Schmid-Petri wurde die Auszeichnung Mitte Mai 2022 im Rahmen des Festaktes „400 Jahre Akademische Tradition in Passau“ an der Universität Passau überreicht.

Wissenschafts- und Kunstminister Markus Blume: „Im übertragenen Sinn darf man Prof. Dr. Hannah Schmid-Petri getrost als Zukunfts- und Friedensforscherin bezeichnen: Mit ihrer Forschung zu Wissenschaftskommunikation, politischer Kommunikation oder auch zur Analyse sozialer Netzwerke baut sie starke Brücken zwischen Wissenschaft und Gesellschaft – auch über drohende Risse in unserem zukünftigen Zusammenleben hinweg. Denn gerade die Pandemie hat uns spüren lassen, dass diese Schnittstelle zur Bruchstelle werden kann. Deshalb brauchen wir gelungene Wissenschaftskommunikation. Ich freue mich sehr, dass eine bereits als junge Wissenschaftlerin sehr einflussreiche und hoch angesehene Expertin wie Prof. Dr. Hannah Schmid-Petri an einer bayerischen Hochschule forscht!“

Prof. Dr. Hannah Schmid-Petri hat seit 2017 den Lehrstuhl für Wissenschaftskommunikation an der Universität Passau inne und ist in ihrem Fachbereich hochprofessionell auf allen Feldern aktiv: In Forschung, Lehre und Praxis wie auch in der Beratung von Politikern widmet sie sich besonders zukunftsrelevanten Themen wie Bioökonomie, Klimawandel, Energiewende oder digitale Transformation.

Schmid-Petris Stimme wird auf vielen Ebenen gehört: In Bayern unter anderem im Sachverständigenrat Bioökonomie, im Direktorium des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation (bidt) oder als Leiterin der Forschungsgruppe Wissenschaftskommunikation am Fraunhofer Exzellenz-Cluster Integrierte Energiesysteme. Darüber hinaus ist Schmid-Petri Mitglied einer Arbeitsgruppe der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und wirkt auf Bundesebene an der Weiterentwicklung der Wissenschaftskommunikation in der #Factory-WissKomm des Bundesforschungsministeriums mit.

Mit einer starken interdisziplinären Ausrichtung engagiert sich Schmid-Petri außerdem in Panels, Konferenzen, als Expertin oder Moderatorin. Auch in zahlreichen Netzwerken, z.B. im Beirat der im deutschsprachigen Raum wegweisenden Plattform „wissenschaftskommunikation.de“, wirkt sie mit.

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