Kernfusion Den Traum von einer sauberen und allzeit verfügbaren Energiequelle wahrmachen: „Bayern ist Zugpferd und Partner auf dem Weg zum Fusionskraftwerk“
Bayern, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein gründeten Ende Oktober in München die Allianz zur Fusionsforschung. Das Ziel: Erforschung, Entwicklung, Bau und Betrieb von kommerziell genutzten Fusionsreaktoren – unter Kooperation von Industrie und Forschung. Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume bezeichnete den Gründungsakt als einen „historischen Tag für die Energieforschung in Deutschland“.
Die Erschließung der Fusion als sichere, saubere und vom Zugang zu Rohstoffen weitgehend unabhängige Energiequelle ist eine einmalige Chance für eine energiesouveräne und nachhaltige Zukunft Deutschlands. Darin sind sich die Länder Bayern, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein einig. Gemeinsam wollen sie den nächsten Schritt zum Fusionskraftwerk in Deutschland gehen. In der Bayerischen Akademie der Wissenschaften unterzeichneten die Ländervertreterinnen und -vertreter ein Eckpunktepapier, das dazu den Weg ebnet.
Es starte eine Koalition der Willigen, so Blume: „Sechs Länder, die bereits große individuelle Standortstärke im Bereich der Fusionsforschung haben, vernetzen und bündeln ihre Stärken – und bauen sie gemeinsam weiter aus. Das ist eine echte Premiere: Sechs Länder, die sich zusammentun, um sich gegenseitig zu unterstützen, getragen von einem Ziel: Die Mission Kernfusion zum Erfolg zu führen. Die Erschließung der Fusion als saubere, sichere und weitgehend unabhängige Energiequelle ist eine große Chance. Wir sind uns einig: Der nächste Schritt muss jetzt gesetzt werden. Denn es ist keine Frage, ob Fusion gelingen wird, die Frage lautet: Wird sie zuerst in den USA, in China oder bei uns in Europa gelingen? Wir sind entschlossen: Das erste kommerzielle Fusionskraftwerk soll in Deutschland entstehen.“
Zu den Vorhaben der Allianz gehören u.a. der gezielte Ausbau der Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern, Ingenieuren und Technikern auf dem Gebiet der Fusionsforschung, eine Vernetzung in der Fusionsforschung zum Beispiel durch landesübergreifende Master- und Graduiertenstudiengänge, die gemeinsame Nutzung bereits bestehender Forschungsinfrastrukturen, der gegenseitige Zugang zu den Einrichtungen der Partner sowie für Unternehmen, eine Zusammenarbeit mit der Zulieferindustrie, die schon beim Aufbau der existierenden Forschungsanlagen ihr technologisches Know-how unter Beweis gestellt hat, und Kooperationen mit europäischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Deutschland soll eine weltweit führende Rolle in dieser Zukunftstechnologie einnehmen, darin sind sich die Länder einig.
Mit Blick auf die Rolle Bayerns betonte Wissenschaftsminister Blume: „Wir sind Zugpferd und Partner auf dem Weg zum Fusionskraftwerk. Unser Masterplan Kernfusion ist voll in der Umsetzung, gerade bauen wir neue Lehrstühle und Studiengänge auf. Mit dem IPP in Garching haben wir weltweit einzigartige Exzellenz eingebettet in ein Ökosystem aus vielversprechenden Start-ups. Die Fusionsallianz bekennt sich nun dazu, dass wir diese Spitzenstellung ausbauen können. Im Schulterschluss wollen die Partner den Plan des Freistaats zur Errichtung eines Nachfolgeexperiments für die aktuelle Fusionsanlage ASDEX Upgrade am IPP unterstützen. Der Bau eines neuen Stellerators in Garching ist wegweisend für die künftige Rolle Deutschlands auf diesem Forschungsfeld.“
Darüber hinaus beteiligt sich Bayern mit dem Centre for Advanced Laser Applications (CALA) der LMU München in Kooperation mit Start-ups maßgeblich an der Grundlagenentwicklung der Laserfusionstechnologie. Mit der ATLAS-Anlage betreibt es eine der weltweit stärksten Kurzpuls-Laseranlagen.
Die Allianz konzentriert sich auf die beiden aussichtsreichsten Ansätze zur Fusion, die laserinduzierte Trägheitsfusion und die Fusion unter Magneteinschluss. Die parallele Erforschung beider Technologieansätze verteilt dabei technologische Risiken und erhöht die Chance, die wirtschaftlichsten Lösungen für eine zuverlässige Energieversorgung bei unterschiedlichen Einsatzanforderungen zu finden.
Stand: Dezember 2025 / Bildnachweis: Axel König/StMWK